Sophie Scholl

09.05.1921 Sophie Scholl wurde in Forchtenberg (Württemberg) als viertes von fünf Kindern des Bürgermeisters und späteren Wirtschafts- und Steuerprüfers Robert Scholl und seiner Ehefrau Magdalene geboren.

1933 Als die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht ergreifen, besuchte Sophie als Zwölfjährige das Gymnasium in Ulm. Anfänglich waren Sophie Scholl und ihr Bruder Hans vom Nationalsozialismus durchaus begeistert und hatten in der Hitler-Jugend und im Bund Deutscher Mädel Karriere gemacht. Die Fahrten, die Bewertung von „Heimatliebe“, „Kameradschaft“ und „Volksgemeinschaft“ sprachen die 12-jährige Sophie in ihrer Naturverbundenheit und Heimatliebe an. Aber nicht die Einstellung des Vaters, der von Anfang an gegen Hitler war, sondern eigene Erfahrungen der Beschneidung der eigenen Individualität ließen die Jugendliche zunehmend auf kritische Distanz zum Nationalsozialismus gehen, z.B. das Verbot, russische und norwegische Volkslieder zu singen oder Stefan Zweigs „Sternstunden der Menschheit“ zu lesen.

Die Scholl-Kinder traten deshalb in eine freie Jugendorganisation, die in der Tradition der Wandervogelbewegung stand, ein

1937 Im Herbst holten die Nationalsozialisten zum Schlag gegen alle nicht gleichgeschalteten Jugendverbände aus und die Scholl-Kinder wurden verhaftet, Sophie wurde einen Tag lang festgehalten.

Dieses Ereignis markierte eine innere Wende Sophies und führte zur völligen Abkehr Sophie Scholls vom Hitler-Regime.

1940 Nach dem Abitur machte Sophie Scholl eine einjährige Ausbildung zur Kindergärtnerin am Fröbel-Seminar in Ulm. Danach absolvierte sie sechs Monate Reichsarbeitsdienst und weitere sechs Monate Kriegshilfsdienst in einem Kindergarten.

1942 Sophie Scholl begann mit ihrem Studium der Fächer Philosophie und Biologie an der Universität München, wo auch ihr Bruder Hans studierte.

Hans machte sie mit Christoph Probst, Alexander Schmorell und Willi Graf bekannt. Die vier Freunde hatten sich zur Organisation „Weiße Rose“ zusammengeschlossen, um Widerstand gegen das Hilter-Regime zu leisten. Sophie Scholl schloss sich der Gruppe an. Auf insgesamt sechs Flugblättern wollten sie den Menschen durch Informationen die Augen über den wahren Charakter des Nationalsozialismus öffnen und zum passiven Widerstand aufrufen.

Die jungen Leute, in deren Kreis sich Sophie zu einer besonders starken Persönlichkeit entwickelte, wussten, dass sie mit den unter dem Symbol der „Weißen Rose“ veröffentlichten Flugblättern ihr Leben riskierten.

18.02.1943 Sophie und Hans Scholl wurden in der Universität München gefasst, als sie Flugblätter in den Lichthof warfen. Sie wurden noch am selben Tag der Gestapo überstellt und endlosen Verhören unterworfen. Dabei unternahm Sophie den verzweifelten Versuch, zur Schonung ihrer Freunde alle Vorwürfe auf sich zu nehmen. Obwohl ihr, gegen alle Gewohnheit der Gestapo, vom Leiter der Verhöre eine Brücke gebaut wurde, ihren Anteil an den Flugblattaktionen herunterzuspielen, wollte sie sich nicht aus der Verantwortung flüchten.

Noch zwei Tage vor ihrer Verhaftung hatte Sophie gesagt: „Es fallen so viele Menschen für dieses Regime. Es wird Zeit, dass jemand dagegen fällt“.

22.02.1943 Der berühmt-berüchtigte Präsident des Volksgerichtshofes Roland Freisler verurteilt Sophie und Hans Scholl zum Tode. Noch am Spätnachmittag desselben Tages werden Hans Scholl und die 21-jährige Sophie Scholl enthauptet.

Bis zum Schluss bewahrt sich Sophie eine ungewöhnliche Lebensbejahung. Kurz vor ihrer Hinrichtung stellt Sophie Betrachtungen über ihren Tod an: „So ein herrlicher, sonniger Tag und ich soll gehen. Aber wie viele müssen heutzutage auf den Schlachtfeldern sterben, wie viel junges, hoffnungsvolles Leben… Was liegt an meinem Tod, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt und geweckt werden“.

Auf der Rückseite der Anklageschrift, die sich nach ihrer Hinrichtung in Sophies Zelle findet, steht das Wort „Freiheit“.

Gaby Lorek-Emrich