Patenschaftsprojekt für Erzieher*innen

Patenschaften zwischen Schüler*innen in der Erzieherausbildung an der Sophie-Scholl-Schule und Kindertagesstätten

Ursprung – Weiterentwicklung – Aussichten

Ausgangspunkt der Projektidee Patenschaften war der neue Lehrplan für die Fachschule Sozialwesen, Fachrichtung Sozialpädagogik und im Rahmen der Modularisierung insbesondere die geforderten Inhalte des Lernmoduls 13 Arbeiten in Kindertagesstätten:

„Durch Exkursionen, Hospitationen und zeitnahe Praktika erhalten Fachschüler und Fachschülerinnen Einblick in die Umsetzung konzeptioneller Ansätze in Einrichtungen sowie die Möglichkeit zur praktischen Umsetzung eigener Planungsentwürfe (…)
(…) Fachkräfte werden unterstützend in den modularen Unterricht integriert.“ (Lehrplan FSS, S. 65)
„Da es sehr unterschiedliche Vorstellungen von professionellem Handeln in den verschiedenen Praxisfeldern gibt, ist es zwingend geboten, dass die Ausbildung der künftigen Erzieherinnen und Erzieher in einem steten Dialog zwischen Fachschule und den Institutionen der Praxisfelder weiterentwickelt wird.“ (Lehrplan FSS, S. 9)
Zwar bestand schon immer eine Vernetzung zwischen der Fachschule und den Institutionen der Praxisfelder, doch fehlte die Kontinuität der Kontakte und der stetige Austausch.
Im Gespräch mit Praxisvertreterinnen wurde immer wieder deutlich, dass es im Sinne einer fachlich fundierten Ausbildung von Erzieherinnen und Erzieher unumgänglich ist, eine stärkere Vernetzung zwischen Fachschule und Institutionen der Praxisfelder zu initiieren um dadurch eine gewollte und notwendige Transparenz herzustellen.
Um nun die in der Ausbildung zur Erzieherin und Erzieher geforderte Verzahnung von Theorie und Praxis umzusetzen wurde die Idee Patenschaften in einem Pilotprojekt im Schuljahr 2004 / 05 für eine Klasse entwickelt und umgesetzt. Es wurden von Seiten der Fachschule Kontakte zwischen den Schülerinnen und Schülern der Pilotklasse und Kindertagesstätten in Mainz initiiert.
Hierzu fanden Informations- und Diskussionsveranstaltungen für die Schülerinnen und Schüler und die Mainzer Kindertagestätten statt, um die Ideen zu transportieren, dafür zu werben, die Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler, der Schule und der Kindertagestätten anzugleichen und Umsetzungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Nach Abschluss dieser Planungsphase gaben interessierte Kindertagesstätten den Schülerinnen und Schülern der Pilotklasse die Möglichkeit, Inhalte aus dem Unterricht zu vertiefen, zu überprüfen und umzusetzen – sie während der zweijährigen Schulausbildung praxisnah und kontinuierlich zu begleiten.
In der praktischen Umsetzung bekamen die Schülerinnen und Schüler Arbeitsaufträge oder Hausaufgaben für die Pateneinrichtung, mit Hilfe derer eine Auseinandersetzung mit und die Vertiefung von Unterrichtsinhalten stattfinden konnte – sei es über Beobachtungen, Interviews oder Gespräche mit Erziehrinnen / Erziehern / Kindern / Eltern oder die Umsetzung praktischer Planungen.

Damit die Kooperation gelingen konnte, war es notwendig, dass alle Beteiligten folgende (im Vorfeld diskutierten) Aufgaben übernahmen bzw. Voraussetzungen boten.

Schule

  • Arbeitsaufträge für die Schülerinnen / Schüler formulieren
  • Verwartung der Ergebnisse aus den Arbeitsaufträgen im Unterricht
  • Ansprechpartnerin für die Pateneinrichtung bei Schwierigkeiten

Schülerin / Schüler

  • Kontaktaufnahme mit der Pateneinrichtung
  • Selbständige Organisation der Termine am Nachmittag
  • Gewissenhafte Durchführung der Arbeitsaufträge
  • Fristgerechte Erledigung der Arbeitsaufträge
  • Ansprechen von Schwierigkeiten

Kindertagesstätte

  • Bereitschaft die Patenschaft für eine Schülerin / einen Schüler zu übernehmen
  • Zum Einstieg zwei aufeinander folgende Hospitationstage ermöglichen
  • Ansprechpartnerin für die Schülerin / den Schüler festlegen
  • Zeit und Raum zum Reflektieren zur Verfügung stellen
  • Schülerin / Schüler evtl. über die Hausaufgaben hinaus in das Leben der Kindertagesstätte einbeziehen (z.B. zu Veranstaltungen usw. einladen)
  • Sich mit der Schule in Verbindung setzen, wenn Schwierigkeiten auftauchen
  • Möglichkeit geben, die schulischen Arbeitsaufträge am Nachmittag zu erledigen

Zur Optimierung der Idee und der Ausweitung auf weitere Klassen wurde das Pilotprojekt mit Hilfe von Fragbögen für die betreuende Erzieherin / Erzieher der Kindertagesstätte und für die Schülerin / des Schülern ausgewertet.

Die Schwerpunkte der Auswertung waren:

  • Informationsfluss zwischen Schule und Kindertagesstätte
  • Die Organisation der Termine, um die Arbeitsaufträge zu erledigen
  • Die Anzahl, die Inhalte und die Durchführung der Hausaufgaben / Arbeitsaufträge
  • Verbesserungsvorschläge

In diesem Zusammenhang erschien es uns wichtig, neben der Einschätzung auch immer eine Begründung zu erhalten, um eventuelle Veränderungen / Verbesserungen auch inhaltlich nachvollziehen zu können.
Die Auswertung ergab insgesamt, dass die Idee auf jeden Fall fortgeführt werden sollte, Verbesserungsvorschläge bezogen sich insbesondere darauf, dass:

  • Für die Einrichtung deutlich werden muss, wann Arbeitsaufträge gestellt wurden.
  • Den Schülerinnen genügend Zeit zur Terminierung mit den Einrichtungen bleibt.
  • Die Zeitspanne zwischen den Arbeitaufträgen ähnlich groß sein sollte
  • Der Beziehungsaufbau zu den Kindern an dem geringen Zeitaufwand scheitern könnte (nur 2 Hospitationstage zu Beginn des Projekts)

Daraus ergaben sich für die Zukunft folgende grundlegenden Veränderungen:
Wir haben die Schülerinnen und Schüler beauftragt, sich selbständig eine Kindertagestätte zu suchen, die sie evtl. schon kennen, um für sich und die Idee Patenschaft zu werben – so konnten wir alle Beteiligten einen reibungslosen Einstieg ermöglichen und sicher gehen, dass zumindest zu einigen Kindern bereits eine Beziehung besteht.

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung wird der Kontakt zwischen Schule und den Einrichtungen gefestigt. Zudem war es uns wichtig, dass auch innerhalb der schulischen Ausbildung eine Vernetzung der verschiedenen Module stattfindet, indem nun auch Arbeitsaufträge aus anderen Modulen gestellt werden konnten.

Weiterhin wird jeder Klasse eine Lehrerin / Lehrer als feste Ansprechpartnerin / Ansprechpartner für Fragen und Aufgaben im Rahmen der Patenschaft zugeordnet. Obliegende Aufgaben:

  • Die Kolleginnen und Kollegen der entsprechenden Klasse über die Idee zu
    informieren
  • Ansprechpartner für Schülerinnen / Schüler, Kolleginnen / Kollegen und
    Praxiseinrichtungen sein
  • Impulse für Arbeitsaufträge und Hausaufgaben geben
  • Arbeitsaufträge der Kolleginnen und Kollegen aus den verschieden Modulen koordinieren, sodass keine Überforderung für Schülerin / Schüler und Pateneinrichtung entsteht.

Im Einzelnen sieht die Erweiterung und Forcierung des Aufgabenkatalogs nach der Auswertung des Pilotprojekts wie folgt aus:

Schule

  • Schriftlich formulierte Arbeitsaufträge für die Schülerinnen, Schüler und die
    Pateneinrichtung (Was soll wie bis wann erledigt werden)
  • Einhaltung eines regelmäßigen Turnus der Arbeitsaufträge (max. 2 mal monatlich)
  • Feste Ansprechpartnerin für die Pateneinrichtung bei Schwierigkeiten

Schülerin / Schüler

  • Selbständige Kontaktaufnahme zu einer (bekannten) Kindertagestätte
  • Vorlegen der von der Einrichtung abgezeichneten Arbeitsaufträgen
  • Bemühen um Kontakte, die über die Erledigung der Aufträge hinausgehen

Kindertagestätte

  • Arbeitsaufträge der Schule abzeichnen

Nach der Auswertung des Pilotprojekts (2004 bis 2006) wurden diese Veränderungen umgesetzt. In 4 Klassen wird das Projekt Patenschaften seit dem Schuljahr 2006-2007durchgeführt.

Nachdem die Idee in Schule und Praxiseinrichtungen nun endgültig etabliert war, kamen wir in der Diskussion mit allen Beteiligten zu dem Schluss, dass für diese gewinnbringende Vernetzung eine größeres Zeitfenster „geöffnet“ werden muss. Seitdem wird der Unterricht eine mal pro Monat einen Tag lang in die Pateneinrichtung verlegt – der so genannten Patenschaftstag ist entstanden. Darüber hinaus sind die Schülerinnen und Schüler dazu angehalten Kontakte zu ihrer Patenscheinrichtung zu pflegen.

Am Ende der Ausbildung erhält jede Schülerin und jeder Schüler einen Nachweis über die Teilnahme an diesem Patenschaftsprojekt.

Die Patenschaften unserer Schülerinnen und Schüler mit Kindertagestätten in Mainz und Umgebung ist mittlerweile ein feststehender und wichtiger Bestandteil der Ausbildung an der Sophie-Scholl-Schule geworden.
Monika Hub